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Stress ist gesund – Eine philosophische Annäherung

Die andere Wahrheit zum Thema Stress

Die Weltgesundheitsorganisation hat Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt. Jeder fünfte Deutsche leidet darunter. Und so hören wir seit Jahren die gleichen Warnungen: Stress ist schlecht. Stress ist die Geißel des modernen Zeitalters und nimmt ständig zu. Stress muss vermieden und reduziert werden. Ganze Geschäftszweige in den Bereichen Gesundheit, Reisen, Unternehmensberatung, Selbsthilfe, Entspannung etc. surfen mittlerweile auf dieser Stressreduzierungswelle.

Aber wenn man die Untersuchungen zum Thema Stress genauer betrachtet, zeigt sich, dass Stress nicht generell schädlich ist. Er ist evolutionsgeschichtlich wichtig und vor allem unter den richtigen Voraussetzungen sehr gesund. Wie kann man also trotz oder sogar mit Stress ein gutes Leben führen?

 

Philosophische Strategien bei Stress

1. Liebe den Stress und die Angst:

Bewerte die Stresssituation positiv. Spüre das Abenteuer! Fühle deine Lebendigkeit! Begrüße die Herausforderung! „Hurra, Stress! Ich kann mich erproben und innerlich wachsen!

2. Trainiere dich an Stress und Belastungen:

Verlasse regelmäßig deine Komfortzone und trainiere dich, vermeintliche Grenzen zu überschreiten. Gehe z. B. mal unbekannte Wege zur Arbeit. Übe Situationen, die du vermeintlich nicht kannst und die dir Angst machen, z. B. öffentlich zu reden. Riskiere es, z. B . neue Aufgaben zu übernehmen, die dich auf dir unbekannten Gebieten herausfordern wie z. B. ein Ehrenamt.

3. Lebe rhythmisch:

Die alten Weisen kannten bereits das Naturgesetz von An- und Entspannung. Nimm dir daher nach Anstrengungen und Stress kleine Auszeiten zur Erholung. Oft reicht dafür schon ein Wechsel der Tätigkeit.

4. Grüble nicht!

Reue, Zweifel, Groll sind Gefühle und Gedanken, die zermürbenden negativen Stress auslösen und steigern. Die Gegenstrategie ist sehr einfach: Lenke deine Gedanken und Gefühle auf schöne, konstruktive Dinge, Ideen und Erfahrungen. Psychoneuroimmunologen konnten nachweisen, dass das Gehirn mithilfe entsprechender positiver Gedanken in der Lage ist, Stoffe zu produzieren, die sonst nur in hochpotenten Medikamenten vorkommen. Das gilt leider umgekehrt auch für krankmachende Gedanken.

5. Besiege die Ohnmacht und eingefahrene Denkmuster:

Innere Glaubenssätze und Antreiber wie „Das schaffe ich eh nicht„, „Ich muss perfekt sein!“ oder „Beeile dich und mach schneller!“ erzeugen negativen Stress. Sie führen uns irgendwann unweigerlich in Abwärtsspiralen und zum Scheitern. Das ist die beste Gelegenheit, diese negativen Glaubenssätze wahrzunehmen und zu ändern. Wer sich so besinnt, erlebt sich nicht mehr als Opfer, sondern gewinnt die Kontrolle über sein Handeln zurück.

6. Verbessere deine Beziehungen:
 

Aktuelle Studien zeigen: Nicht die Art oder Menge der Arbeit sind die Hauptursachen für Stress im Job. Es sind die Beziehungen zum Chef und den Kollegen. Das gilt in gewisser Weise auch für das private Umfeld, den Partner, die Familie und die Freunde. Unfairness, Kritik, mangelnde Wertschätzungen etc. können krankmachenden Stress auslösen. Was tun?
Es gibt immer drei Alternativen:

    • Man kann lernen, sein Umfeld zu akzeptieren, was inbesondere sinnvoll ist, wenn man selbst übertriebene Erwartungshaltungen als eingeschliffene Denkmuster hatte.
    • Man kann sich von krankmachenden Jobs oder Menschen trennen oder
    • man kann aktiv seine Bedürfnisse kommunizieren und so die Beziehung verändern. Das löst wieder Stress aus, aber diesmal gesunden, denn man handelt.
7. Bewegung, Atmung und Meditation:

Dass rein biologisch gesehen Sport und Bewegung an der frischen Luft sehr geeignet sind, um durch Stresssituationen ausgeschüttete Hormone wieder abzubauen und „sich runter zu holen“, ist allgemein bekannt. Aber schon Buddha empfahl seinen Schülern eine einfache Atem- und Meditationstechnik, nämlich die Konzentration auf den Atemfluss, was uns automatisch zentriert und uns ins Hier und Jetzt führt – weg von stressenden Gedanken an Vergangenheit und Zukunft.